Kapitel 1
Alle Menschen, deren Ziel es ist, sich von
den anderen Lebewesen zu unterscheiden, sollten sich mit aller Kraft darum bemühen,
ihr Leben nicht unbeachtet zu verbringen wie die Tiere, deren natürliche
Bestimmung es ist, den Kopf gesenkt zu halten und die körperlichen Bedürfnisse
zu befriedigen. Das, was den Menschen auszeichnet, beruht auf der Verbindung des
Geistigen und Körperlichen: der Geist führt zur Herrschaft, der Körper mehr
zur Unterwerfung; der Geist verbindet den Menschen mit den Göttern, der Körper
mit den Tieren. Deshalb erscheint es mir, zumal im Hinblick auf die Kürze
unseres Lebens, sinnvoller, sich mit den geistigen, nicht mit den körperlichen
Kräften Anerkennung für eine möglichst lange Zeit zu erwerben. Denn Reichtum
und äußere Schönheit sind vergängliche Werte, schöpferische Leistung
hingegen bedeutet etwas und ist von Dauer. Lange Zeit war es umstritten, ob
kriegerische Erfolge mehr den körperlichen oder den geistigen Fähigkeiten
zuzuschreiben sind; denn am Anfang jedes militärischen Unternehmens soll ein
Plan stehen; ist der Plan jedoch gefaßt, soll er auch entschlossen in die Tat
umgesetzt werden. Beide Faktoren müssen sich ergänzen, da sie für sich allein
genommen, unzulänglich sind.